Koh Lanta: die ewige Hängematte

Auf Thailands Inseln zieht es seit Jahrzehnten Reisende, die einen Ort zum Abhängen suchen. Füße im Sand, Blick aufs Meer, kaltes Bier in der Hand und niemand, der einem auf den Sack geht: Das ist die Idee, auf die sich die Thais und mittlerweile Tausende von Auswanderern eingestellt haben. Die Karawane der Ruhe- und Sinnsuchenden zieht dabei stetig weiter. Denn was gestern als Geheimtipp galt, ist heute schon „total touri“. Und kaum irgendwo findet man so viele Touristen, die den Touristen aus dem Weg gehen wollen. Ständig auf der Suche nach dem „authentischen“ Erlebnis, wird so ein Strand nach dem anderen erschlossen, eine Insel nach der anderen als „das“ neue Ziel auserkoren, wo es eben noch nicht so „touri“ ist. Inseln wie Phuket und Koh Phi Phi oder der Ao Nang Beach bei Krabi haben das lange hinter sich und den letzten Rest ihres Charmes längst verloren. Aber die gute Nachricht: Es gibt sie noch, die Orte, an denen man den Tag in der Hängematte und den Abend an der Strandbar mit entspannten Leuten verbringen kann.

Hängematte am Strand? Findet man auf Koh Lanta, und das nicht mal überfüllt.

Je länger die Anreise vom Flughafen, desto weniger Menschen bevölkern die Strände. Das ist eine Faustformel, die in Thailands Süden ganz gut funktioniert. Nach Koh Lanta fährt man mit dem Minibus und der Fähre rund zweieinhalb Stunden vom Krabi Airport. Zu den weiter entfernten Insel wie Koh Lipe entsprechend länger. Die Fahrt lohnt sich aber auf jeden Fall, wenn man ein ruhiges Plätzchen zum Entspannen sucht. Und die findet man hier tatsächlich recht zahlreich.

Koh Lanta als Geheimtipp zu bezeichnen, wäre Unsinn. Die langgezogene Insel ist touristisch gut erschlossen, hier gibt es Unterkünfte entlang der gesamten Westküste für jeden Geldbeutel. Aber sie ist kein typisches Ziel von Pauschaltouristen, was sie bisher von den gröbsten Bausünden verschont hat. Die Koh-Lanta-Formel: Wer ein bisschen Trubel sucht, ist im Norden gut aufgehoben, je weiter man in Richtung Süden kommt, desto ruhiger wird es. Der Klong Nin Beach liegt etwa in der Mitte und war eine gute Woche mein „Zuhause“. Auch in der Hochsaison im Januar wirkt er nie überfüllt, und trotzdem hat man eine große Auswahl an Resorts, Bars, Restaurants und Bungalows direkt oder nur ein paar Minuten entfernt vom Strand. Gerade im Vergleich zum eher enttäuschenden Phu Quoc ein Ort, an dem man es locker mehrere Wochen oder Monate aushalten kann.

Und das tun hier überraschend viele. In den Strandbars mischen sich Kurzzeit-Urlauber mit Aussteigern, die Monate oder sogar Jahre hier leben. Die relativ wild gewucherte Bebauung entlang der Strände sorgt zudem dafür, dass betuchte Rentnerpärchen in denselben Bars den Sonnenuntergang beobachten wie volltätowierte Endzwanziger, die seit Monaten in einer zusammengezimmerten Holzhütte leben und auf die Eingebung warten, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Auch das sind die „Vibes“, von denen hier jeder spricht. Entspann Dich, nimm ein kaltes Bier und reg Dich nicht auf, schon gar nicht über andere. Ein schönes Lebensmotto, dem man sehr leicht verfallen kann.

Selbst jetzt in der Hochsaison wirken die Strände nie überfüllt, im Vergleich zu anderen Zielen sogar eher leer. Die Insel ist so groß, dass sich das Leben gut verteilen kann. Mittags ist es meist ohnehin zu heiß, um am Strand zu liegen. Dort versammeln sich dann gefühlt alle wieder am Abend, wenn die Sonne über der Andamanensee versinkt und für spektakuläre Momente sorgt. Und danach hat immer irgendeine der Bars am Strand „ihren“ Abend mit Live-Musik. Vor allem die Reggae-Konzerte sind immer gut besucht und atmosphärisch auch ein echter Knaller mit allem, was man vom Rasta-Kosmos so erwarten kann.

Das alles macht Koh Lanta zu einem ziemlich perfekten Reiseziel, wenn man weg will von den Bettenburgen, raus aus dem gewohnten Rhythmus und einfach in den Tag hineinleben möchte. So plätschert die Zeit hier stetig dahin, man verbringt ganze Tage in der Hängematte, schlürft einen Mango-Shake nach dem anderen und schaut dem Treiben zu, dass so gemächlich ist wie kaum irgendwo sonst im hektischen Asien. Blöd ist eigentlich nur, dass die Zeit hier schneller vorbei ist, als man denkt.

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