Sydney: Innen wuselig, außen spektakulär

Australiens größte Stadt landet regelmäßig auf den vordersten Rängen, wenn anhand diverser Parameter bestimmt wird, in welchen Städten auf dem Planeten es sich am besten leben lässt. Überhaupt schneiden Australiens Städte dort meist sehr gut ab. Im aktuellen Ranking des Economist liegt Sydney auf Rang drei hinter Wien und Melbourne. Mit Adelaide steht noch eine weitere australische Stadt in den Top 10. Nachdem ich von Perth und Brisbane schon so begeistert war, war ich entsprechend gespannt auf Sydney.

Weltberühmt: der Blick auf das Sydney Opera House und die Harbour Bridge.

Mein Fazit: Sydneys westliche Vororte entlang des weitverzweigten natürlichen Hafens bieten das spektakulärste Lebensumfeld, das ich bisher gesehen habe. Sie dürften auch die wesentliche Grundlage für das Dauer-Abo auf den vorderen Ranglistenplätzen sein. Die eigentliche Innenstadt mitsamt der umliegenden zentralen Stadtviertel sind wuselig, teilweise eng, an vielen Stellen cool, aber nicht so großzügig, so lässig und entspannt wie Brisbane und vor allem Perth. Sydneys Innenstadt ist in großen Teilen viel eher eine asiatische als australische Großstadt und stand für mich deshalb in einem seltsamen Kontrast zu dem, wie ich Australien in den gut zwei Monaten davor erlebt habe.

Aber der Reihe nach. Sydney lässt sich, wie alle Städte, am besten zu Fuß erkunden. Und das habe ich auch ausgiebig getan. Das gut ausgebaute öffentliche Verkehrssystem ist dabei extrem hilfreich. Die wichtigsten Buslinien fahren alle zehn bis 15 Minuten, für größere Distanzen gibt es eine Art S-Bahn-System und für die weiteren Wege zu den Stadtteilen entlang des weit verzweigten natürlich Hafens fahren Fähren. Das Schöne daran: Es gibt ein Bezahlsystem für alles. Und noch besser: Bisher musste man sich dafür eine Opal-Card besorgen und diese als Pre-Paid-System aufladen. Seit einigen Monaten kann man alle Verkehrsmittel mit der Kreditkarte nutzen: einfach beim Einsteigen an das entsprechende Lesegerät halten, beim Aussteigen wieder (nicht vergessen!), und das System errechnet den Fahrpreis automatisch und bucht ihn ab. Das ist großartig, weil man damit irre flexibel unterwegs ist. Auf dem Wasser ist deshalb auch täglich so viel Verkehr wie auf der B1.

Einfahrt in die Circular Quays.

Ich hatte über Airbnb ein keines Appartement in Paddington, was sich in punkto Lage als ideal herausgestellt hat. Fünf Minuten entfernt fuhr nämlich die Buslinie 333 über die Oxford Street, die zwischen dem Circular Quay, dem zentralen Fährterminal und „Herz“ Sydneys und dem legendären Bondi Beach im Westen pendelt. Perfekt um beides zu erreichen. Die ersten Wege führen in die Stadt, zum Circular Quay samt Blick auf Opera und Harbour Bridge, dem danebenliegenden The Rocks mit Sydneys ältesten Pubs, ins Kings Cross, zum Darling Harbour und den danebenliegenden China und Korea Town. Alles Ziele voller prallem Leben, ein wuseliger Mix aus Kulturen, Geschäften, Restaurants, Gerüchen und Eindrücken. Dazwischen hin und wieder – seltener als in den anderen australischen Städten – von Parks unterbrochen. Das alles ergibt so viele Eindrücke, dass sie nur schwer zu sortieren sind.

Wanderungen am Wasser

Das komplette Kontrastprogramm liegt mit der Fähre nur eine Viertelstunde entfernt. Denn Sydney bietet neben seinem Herzen aus Beton und Stahl auch üppiges Grün und versteckte Buchten mit Stränden an türkisfarbenem Wasser. Dafür fährt man am besten mit der Fähre nach Manly, schaut sich dort zuerst das Örtchen und den Strand an und macht sich dann auf den Manly Scenic Walk zur Spit Bridge. Ruckzuck ist man da in einer ganz anderen Welt. Der etwa zehn Kilometer lange Weg führt immer am Wasser entlang, rauf und runter, durch Wälder, an Felsklippen entlang und vorbei an kleinen Häfen und Wohngebieten, die weltweit wohl ihresgleichen suchen.

Eine andere schöne Wanderung beginnt am Bondi Beach und führt an der Pazifikküste entlang zur Watsons Bay, dem südlichen Ende der natürlichen und einzigen Einfahrt in das weitverzweigte Hafenbecken Sydneys. Den Bondi Beach erreicht man am besten mit der Buslinie 333. Man kann die Wanderung auch andersherum gehen, Watsons Bay wird von der Fähre angefahren. Highlights der Strecke sind die herrlichen Steilküsten und der schöne Blick auf die Skyline vom Dudley Page aus.

Leben in Sydney

Sydney hat über fünf Millionen Einwohner und nur die wenigsten kommen in den Genuss, am Wasser in Ortsteilen wie Mosman, Manly, Bronte oder gar Point Piper zu leben, dem Stadtteil mit den höchsten Immobilienpreisen Australiens. Auch coole Stadtteile wie Paddington, Surry Hills oder Darlington werden zunehmend teurer und für die Einheimischen damit immer schwerer zu bezahlen. So wie in München oder Berlin eben auch. Die Stadt hat sich deshalb immer weiter Richtung Norden und Osten ausgedehnt. Zum Träumen regen aber die Viertel an, die das riesige Hafengebiet säumen. Da ist Sydney wirklich wunderschön.

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